Die Digitalisierung?

Einfach machen!

Die Einführung neuer Technologien, die Veränderung von Arbeitsprozessen, die Preissteigerungen, die Anpassung an sich verändernde Rahmenbedingungen, ob in privatem oder beruflichem Umfeld, vermitteln uns manchmal das Gefühl, dass wir mitmachen müssen – ob wir wollen oder nicht. Dieser Aspekt am Fortschritt, an der Digitalisierung, also das Gefühl des Müssens, kann durchaus verhängnisvoll sein. Denn „der Mensch will immer, dass alles anders wird und gleichzeitig will er, dass alles beim Alten bleibt.“ (Paolo Coelho). Was also, wenn wir als Gesellschaft zwar die Veränderung wollen, weil wir wissen, dass sie nötig ist – uns als Individuen aber nur ungern anpassen? Die PZ hat nachgefragt.


PZ: Frau Mader, sie begleiten Unternehmen dabei, Veränderungsprozesse erfolgreich zu meistern. Wie können wir als Einzelpersonen mit dem Wandel und der Digitalisierung umgehen, ohne in den Ablehnungsmodus zu verfallen?
Dorotea Mader, Change Expertin und Mitgründerin HUMAN&HUMAN: Unsere Welt ändert sich ständig – und wir haben Einfluss darauf, selbst wenn wir das nicht immer so wahrnehmen. Es mag sein, dass es manchmal so wirkt, als wären wir durch die Entscheidungen Anderer fremdbestimmt. Meistens haben wir aber viel Spielraum, selbst zu gestalten. Wenn wir den Fokus darauf lenken, anstatt uns gegen Neues zu verteidigen, kann der Wandel auf die positivste Art und Weise seine Kraft entfalten. Es geht um Selbsterkenntnis und darum, Herausforderungen als Chancen zu begreifen. Jedoch: Ein solcher Perspektivenwechsel geschieht natürlich nicht von allein, es geht darum, bewusst auf das Neue zu blicken, objektiv einzuschätzen was es auch langfristig bringt, was nicht – und die entsprechenden Auswirkungen und Chancen zu analysieren. Hierfür gibt es verschiedene Instrumente und Tools, die Unternehmen und auch Privatpersonen nutzen können, um den Prozess der Veränderung erfolgreich zu meistern.


Gerade produzierende Unternehmen stehen, was den technologischen Wandel angeht, bereits heute unter enormem Druck. Kann man es schaffen, dass alles anders wird – und gleichzeitig so bleiben soll wie es ist?
Paul Mairl, CDO GKN Sinter Metals: Ich glaube es geht darum, dass wir beginnen, selbstständiger zu werden – im Unternehmensumfeld und privat. Es ist komfortabel, sich in Systemen gleiten zu lassen, ohne aktiv zu sein, wenn andere die Verantwortung tragen. Das Gefühl, etwas bewegen zu können, habe ich als Mensch erst, wenn ich mir selbst die Frage stelle, wohin ich eigentlich will, und mich für mein selbstbestimmtes Handeln entscheide – mit allen Konsequenzen. Wir als Unternehmen sind derzeit massiv mit Veränderung konfrontiert, die durchtechnologische Umbrüche im Bereich Automotive,
geopolitische Einflüsse, Lieferengpässe durch die Corona Krise, aber auch
durch den fragmentierten Arbeitskräftemarkt, mit dem wir in Südtirol umgehen müssen, angetrieben wird.


Wie geht es weiter?
Paul Mairl: All das führt dazu, dass bekannte Prozesse nicht mehr funktionieren und Arbeitsweisen und Organisationen neu gedacht werden müssen. Fehlende Planungssicherheit kann nicht mit noch mehr Planung beantwortet werden, sondern mit Agilität und Flexibilität. Das erreichen wir nur durch eigenständiges und selbstverantwortliches Handeln jedes Einzelnen. Genau hierbei spielt die Digitalisierung eine entscheidende Rolle, denn ohne die Verfügbarkeit von Informationen und Daten auf allen Ebenen sind selbstständiges Arbeiten und – noch wichtiger – selbstständiges Lernen gar nicht möglich. Diese neue Form des Arbeitens führt zweifellos zu einem tiefgreifenden Wandel und erfordert von allen Mitarbeitern neue Denkweisen und Fähigkeiten. Daraufwollen wir unser Team vorbereiten.


Im Jahr 2021 haben Automotive Excellence mund HUMAN&HUMAN das Pilotprogramm von „Fit For The Future“ ins Leben gerufen. Ist der Lehrgang die Antwort auf die Frage danach, wie wir uns selbst und die Veränderung unter einen Hut bringen?
Paul Mairl: Es gibt sicherlich mehr Antworten auf diese Frage, aber Fit For The Future ist ein neuer, innovativer Ansatz, um sich und das Unternehmen auf diese Veränderung vorzubereiten. Gerade läuft die erste Runde im heurigen Jahr. Im Herbst startet dann der nächste Durchgang, der sich an alle Unternehmen richtet. Es war uns von Anfang an wichtig, das Programm nicht nur für einige wenige Unternehmen zu gestalten, sondern sehr breit aufzustellen. Digitalisierung betrifft alle – ob Unternehmen, Gewerbe, Gastronomie oder den Tourismus. Nur wenn wir es schaffen, einen Großteil der Akteure auf die Reise mitzunehmen, werden wir als Wirtschaftsregion weiterhin erfolgreich sein. In „Fit For The Future“ legen wir dafür den Grundstein: Die Teilnehmer erlernen unternehmensübergreifende Zusammenarbeit und Fähigkeiten, die ihnen dabei helfen, Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Sie erfahren dadurch auch, welchen Wert das Wissen anderer hat, und wie es sich anfühlt, einfach mal zu machen.


// Interview: Reinhard Weger

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